Top 10 Tipps für eine erfolgreiche BIM-Implementierung

im Original von: Phoenix EOS

Eine BIM-Implementierung besteht nicht nur darin, neue Software zu installieren und zu zeigen wie sie funktioniert. Sie erfordert bedachtes Planen, viel Geduld und die Fähigkeit mit teils festgefahrenen Meinungen und Ängsten der Betroffenen umzugehen. Es gibt kein Geheimrezept oder Zaubertrick aber einige grundlegende Ideen, die hilfreich sein können, eine solche Umstellung zum Erfolg zu führen und davon möglichst auf lange Sicht zu profitieren. Hier die 10 besten Tipps

Der Entschluss mit der BIM-Methode zu arbeiten muss von den Entscheidungsträgern gefällt werden. In großen Organisationen sind es häufig Mitarbeiter, Ingenieure, Projektleiter bis hin zum mittleren Management, die wirtschaftlichen Trends folgen, neue Wege gehen mit dem Ziel Arbeitsabläufe zu optimieren und den eigenen Alltag zu erleichtern. Wenn diese Bemühungen in der Chefetage jedoch nicht auf Zustimmung stoßen sind die Aussichten auf eine erfolgreiche Einführung und somit effiziente Nutzung sehr begrenzt.

Der Schritt von konventionellen Planungsmethoden hin zu BIM muss auf allen Ebenen eines Unternehmens geschehen. Wenn dies aber schon im Management nicht konsequent umgesetzt wird, ist die Umstellung häufig zum scheitern verurteilt. Dieser Prozess ist nichts, das sich im Handumdrehen erledigen lässt. Es müssen unter Umständen Investitionen getätigt, Mitarbeiter geschult, alte Denk- und Arbeitsweisen über Bord geworfen werden, auch wenn dies zeitweise das Tagesgeschäft beeinflussen kann. Es ist Aufgabe der Unternehmensführung das Ziel im Auge zu behalten, Auswirkungen einzukalkulieren um neue Potentiale zu erkenne und vor Allem zu nutzen, auch wenn es eventuell auf den ersten Blick einen Mehraufwand bedeutet.

Stellen sie sicher, dass alle Möglichkeiten und Folgen offen angesprochen werden, die eine Umstellung mit sich bringen kann, denn unkalkulierbare Risiken werden eine Entscheidung selbstverständlich beeinflussen. Wenn der Nutzen und alle damit verbundenen Konsequenzen jedem bewusst sind, können Sie auf die nötige Unterstützung vertrauen.

Einen so umgreifenden Wandel kann man nicht allein bewirken, es sei denn Sie heißen Nikola Tesla oder arbeiten in einem sehr kleinen Unternehmen. In mittelständigen und großen Unternehmen ist es sinnvoll, ein Team mit dieser Aufgabe zu betrauen die Einführung zu steuern. Es gilt Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen und möglichst allen Planungsprozessen in diese Planung zu integrieren und so flächendeckend Kompetenzen aufzubauen und gleichzeitig Lasten gleichmäßig zu verteilen.

Finden Sie die richtigen Kandidaten für diese Aufgabe, die konsequent hinter dem Konzept stehen und willens sind, alte Wege zu verlassen und eine Änderung herbeizuführen. Aber eine Kette ist nur so stark, wie ihr schwächstes Glied. Eine Person, der es an Überzeugung mangelt, kann in dieser Position, trotz der besten Absichten immense Probleme verursachen.

Es gibt zahlreiche Hilfen und Dokumentationen zum Thema BIM, sowie Beispiele für Unternehmen, die erfolgreich mit dieser Methode arbeiten. Sie müssen das Rad nicht neu erfinden und Standards neu definieren. Greifen Sie auf Kompetenzen zurück, die Ihnen zur Verfügung stehen und lassen Sie sich bei Ihrem Projekt unterstützen.

Es gibt Standards für die Art und Weise, wie Modelle aufgebaut werden, interne Prozesse ablaufen, technische und gestalterische Standards, die alle grundlegend für eine erfolgreiche Umstellung sind. Genauso wichtig wie die Definition  ist die Dokumentation. Es muss sichergestellt werden, dass Ihre Vorgaben auch für jedermann verständlich und somit umsetzbar sind.

Und sobald diese Standards verbindlich sind, muss sichergestellt werden, dass man sie auch befolgt. Es muss eine Art von Qualitätskontrolle vorgesehen werden, Prüfroutinen zur Selbstkontrolle, die nicht nur Fehler vermeiden sollen, sondern vor Allem den Einstieg in eine neue Arbeitsweise erleichtern.

Der Erfolg jeder BIM Implementation ist stark abhängig von dem Team, das für die Entwicklung und Durchführung der Prozesse verantwortlich ist. Häufig stellt man fest, dass es bereits Tendenzen, teils sogar enthusiastisches Interesse daran gibt, sich mit BIM Prozessen zu beschäftigen. Nicht selten findet man diese Bereitschaft am anderen Ende der Karriereleiter.

Im Allgemeinen reicht der Kenntnisstand, darüber was BIM eigentlich ist von einem rudimentären Verständnis, über Assoziationen, bis hin zu „wer ist eigentlich dieser BIM von dem alle reden?“. Es gilt also ein Strategie zu finden, um allen Beteiligten ein grundlegendes Verständnis von BIM zu vermitteln. Sei es über Schulungen, interne Workshops oder eine schlichte Präsentation.

Ein gutes Training ist für jeden, der in Zukunft mit dem Konzept des Building Information Modeling arbeiten möchte unerlässlich, allerdings darf man dabei die Motivation nicht außer Acht lassen. Den gebildeten Teams muss klar sein, worauf man hinarbeitet und vor allem warum. Diese Phase eignet sich hervorragend dazu, engagierte Mitarbeiter zu finden, zu unterstützen, weiter auszubilden und so zu Schlüsselfiguren der neuen Prozesse aufzubauen. Diese Mitarbeiter sind wertvolle Faktoren bei der Umstrukturierung und darüber hinaus.

Die richtigen BIM Werkzeuge zu finden ist keine leichte Aufgabe und sollte daher von einem BIM Team bearbeitet werden, das aus Mitarbeitern besteht, die schlussendlich auch diese anwenden werden, sowie Experten, die immer die ganzen Prozesse im Auge behalten. Es ist Aufgabe dieses Teams sicherzustellen dass die Werkzeuge nicht nur effizient jedes für sich, sondern vor Allem effizient zusammenarbeiten um so möglichst konsistente Datenmodelle zu erzeugen, die das Maximum an Informationen enthalten.

Ein Beispiel: Die beste Ingenieursoftware ist X, die präferierte Architekturanwendung Y. Wenn sich der Datenaustausch zwischen ihnen aber häufig schwierig gestaltet, sollte man seine Wahl noch mal überdenken, da man sonst ständig damit beschäftigt sein wird, die Fehler in der Kommunikation seiner Programme zu beseitigen. Bloß weil einige Mitarbeiter eine Software schon kennen oder zunächst Investitionen in ein neues System höher waren, sollte so wichtige Entscheidungen nicht beeinflussen. Auch für die verlockende Lösung „alles aus einer Hand“ sollte man sich keinesfalls entscheiden, ohne die Alternativen genau zu kennen. Anderen Falls verpasst man eventuell die Gelegenheit, die eigene Produktivität auf ungeahnte Weise immens zu steigern. Es wird immer Meinungen, Wünsche und Tendenzen innerhalb eines Unternehmens geben, die auf eigenen Erfahrungen, Vorkenntnissen, Berichterstattungen oder persönlichen Interessen beruhen, teils ohne fachlichen Hintergrund. Damit gilt es umzugehen, stets mit dem Bemühen, niemanden zu benachteiligen.

Der größte Fehler, der von den meisten begangen wird, ist es sich nur auf die einzelnen Werkzeuge und die technischen Voraussetzungen zu konzentrieren und dabei das große Ganze, die Prozesse aus dem Auge zu verlieren. Als in den 80er und 90er Jahren CAD Einzug in die Planungsbüros der Welt hielt, hat dies das eigentliche Arbeiten kaum verändert. Es war eine simple 1 zu 1 Umsetzung der Handzeichnungen auf den Computer. Ohne Planungsabläufe dramatisch zu verändern.

BIM ändert die Herangehensweise an Projekte. Wie sie entwickelt werden, wie wir arbeiten und vor Allem wie wir zusammen mit anderen arbeiten. Es geht um neue Prozesse mit Werkzeugen, die uns bei diesen unterstützen. Und eben diese Prozesse möglichst effizient zu gestalten ist um ein Vielfaches wichtiger, als die bloße Möglichkeit sie auch in seiner Lieblingssoftware abzubilden.

Bei diesem Tipp geht es eher um Risikoanalyse also um einen konkreten Plan B. Zu jedem Zeitpunkt der Umstellung sollte man drohende Risiken im Auge behalten und darauf vorbereitet sein, Entscheidungen, Arbeitsabläufe, Bürostandards, … zu überdenken. Software funktioniert nicht immer wie versprochen, der Datenaustausch gestaltet sich schwieriger als gedacht, die vorhandene Hardware ist den neuen Herausforderungen nicht gewachsen und zusätzlich natürlich alle anderen alltäglichen Risiken.
Es gibt Mitarbeiter die geschult, Soft- und Hardware die installiert und eine Infrastruktur die bereitgestellt werden muss, ein Qualitätsmanagement eingerichtet und andere Folgen der Umstellung bedacht werden. Es ist besser, sich einfache, sinnvolle und nachvollziehbare Ziele zu stecken und sie nacheinander zu erreichen als bei dem unrealistischen Versuch, alles in sechs Monaten allein zu managen, zu scheitern. Die bereits zuvor erwähnten Schlüsselfiguren können diese Lasten unter sich aufteilen und dabei durch individuelle Besprechungen, Schulungen, …, unterstützt werden. Wenn man den Überblick verliert, falsche Entscheidungen trifft oder den eigenen zu straffen Zeitplan nicht einhalten kann, wirft einen das oft weiter zurück, als eine langsamere Herangehensweise es getan hätte.
Wenn man so manche Broschüre oder Artikel liest, bekommt man schnell den Eindruck so manche BIM Software könne nahe zu alles und zwar „out of the box“. Diese unrealistische Erwartungshaltung tritt besonders häufig dann auf, wenn das grundlegende Verständnis von BIM oder die technischen Grundlagen dafür fehlen, da natürlich auch Entscheidungsträger betriebswirtschaftlicher Natur diese Broschüren oder Artikel lesen und darauf hin magische Effizienz und Wirtschaftlichkeit auf wunderbar zauberhaften Mausklick erwarten.

Wenn also eines Tages die Frage auftaucht: „Können wir das BIM Zeug so machen wie es hier steht?“ gilt es diese Erwartungen richtigzustellen.

Jeder neue Prozess, jeder Datenaustausch und jeder Schritt den man entwickelt sollte möglichst effizient und flexibel gestaltet werden um somit bestehende Prozesse und Strukturen weiterzuentwickeln. Wann immer es etwas Neues zu entdecken oder eine neue Technik zu lernen gibt, werden Probleme gern überintellektualisiert und auf absurdeste Weise bis ins kleinste analysiert mit einem Ergebnis, das nicht selten ineffizienter ist als zuvor.

Es sollte stets das eigentliche Ziel im Auge behalten und vor der Einführung eines neuen Prozesses eine kurze Kosten/Nutzen-Analyse gemacht werden um sicherzustellen, dass nicht unnötiger Aufwand betrieben wird für eigentlich ganz einfache Dinge.

Quelle: linkedin

2017-03-28T14:50:16+00:00
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